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Boxenstopp bei Joanneum Racing Graz 3.0 #28: So wird man Formula-Student-Pilot:in

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Das neue Auto des Teams steht kurz vor der ersten Ausfahrt. Doch wer wird hinter dem Steuer des ersten Elektro-Boliden sitzen? Benjamin Gahleitner, Johannes Pieber und Philipp Enzinger berichten von der heurigen Fahrer:innenauswahl und dem Alltag eines/einer Formula-Student-Pilot:in.

Als Fahrer:in mit einem Formula-Student-Team quer durch Europa reisen und sich mit anderen in den dynamischen Bewerben messen? Klingt definitiv nach einer unvergesslichen Erfahrung – und für Johannes Pieber wird sie im Sommer Realität werden. Der 25-Jährige ist einer von zwei neuen Fahrern, die seit dieser Saison das Team von Joanneum Racing Graz bereichern: „Ich bin 2021 als Teammitglied in der Baugruppe Electrics dazugestoßen. Ich habe dann an der heurigen Fahrerauswahl teilgenommen und bin erfolgreich Runde um Runde weitergekommen.“ Grundsätzlich haben alle Studierenden der FH JOANNEUM die Chance, Fahrer:in von Joanneum Racing Graz zu werden. Einzige Voraussetzungen sind eine Immatrikulation an der FH sowie der Besitz des B-Führerscheins. Jene Bewerber:innen, die schließlich beim Driver-Casting überzeugen, dürfen dann den aktuellen Boliden bei den Bewerben in den Disziplinen Acceleration, Skidpad, Autocross und Endurance steuern. Im Vergleich zu anderen Rennklassen wie der Formel 1, wird in der Formula Student nicht gegen die Konkurrenz gefahren, sondern gegen die Zeit.

Johannes Pieber ist einer der neuen Fahrer von Joanneum Racing Graz
Johannes Pieber ist einer der neuen Fahrer von Joanneum Racing Graz

Das Driver-Casting

Für den diesjährigen Auswahlprozess zuständig war Benjamin Gahleitner, Team Leader der Baugrupppe Testing & DAQ. Insgesamt wurden drei Stages ausgetragen, bis die heurigen Fahrer feststanden. „Im Februar sind in der Karthalle rund 30 Leute, die sich auf unseren Aufruf hin gemeldet haben, um Zeiten gefahren. Wir haben danach die Daten ausgewertet und dabei auf Konstanz, kontinuierliche Verbesserung sowie die Rundenzeiten geachtet“, erzählt Benjamin, der „Fahrzeugtechnik“ im sechsten Semester studiert. Die besten schafften es in die nächste Runde, in der in Rennkarts gegen die Zeit gefahren wurde. Für Benjamin ein wichtiger Schritt im Auswahlprozess: „Das Rennkart ist eine Zwischenstufe zwischen Mietkart und Formula-Student-Auto. Wir bekommen hier einen guten Einblick, wie die Fahrer:innen sich auf eine neue Umgebung einstellen und reagieren können.“ Die fünf besten Teilnehmer:innen qualifizierten sich für die dritte Stage und durften auf der Teststrecke in Fohnsdorf erstmals ein Formula-Student-Auto lenken.

Benjamin Gahleitner ist Team Leader der Baugruppe Testing & DAQ
Benjamin Gahleitner ist Team Leader der Baugruppe Testing & DAQ

Die ersten Kilometer im jr18 sind Johannes gut im Gedächtnis geblieben: „Ein Formula-Student-Auto zu fahren, ist verdammt anstrengend und nicht mit Kartfahren vergleichbar. Es macht einen Riesenspaß, aber besonders am Anfang braucht man Pausen, weil die Konzentration schnell abfällt.“ Eine hohe Konzentrationsfähigkeit und Präzision stellen für die Bewerbe eine Notwendigkeit dar, wie Benjamin erklärt: „Die Kurse sind eng gesteckt und umgestoßene Cones werden in Strafsekunden umgewandelt.“ Die einzelnen Disziplinen bringen auch unterschiedliche Anforderungen an die Fahrer mit sich: Während es bei Skidpad (hierbei wird eine liegende Acht gefahren) gilt, beim ersten Versuch eine perfekte Runde zu fahren, sind bei Endurance (22 Kilometer Streckenlänge) konstant gute Runden das Erfolgsrezept. Momentan absolvieren wir wöchentliche Driver Trainings mit den Verbrenner-Boliden jr18 und jr21, doch schon bald sollen die ersten Fahrten mit dem elektrischen JR22 folgen. „Ich rechne damit, dass die Belastung bei dem Elektro-Fahrzeug noch höher sein wird, da die Schubunterbrechungen des Verbrenners wegfallen“, blickt Johannes dieser Herausforderung gespannt entgegen. 

Als Physiotherapeut im Racing Team

Um den körperlichen Anforderungen standhalten zu können, gibt es für die Fahrer ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm – ausgearbeitet vom teameigenen Physiotherapeuten. „Meine Aufgabe ist es, die Fitness und Gesundheit der Fahrer zu fördern. Sie müssen den Kräften, denen sie im Auto ausgesetzt werden, mit Muskelkraft entgegenwirken. Insbesondere der Nacken- und Schultergürtel wird während des Fahrens belastet“, erklärt Philipp Enzinger, Physiotherapie-Student im vierten Semester. Er ist ebenfalls Mitglied in der Baugruppe Testing. Das Training setzt sich aus Kraft-, Ausdauer- sowie Koordinationseinheiten zusammen: „Die Fahrer können dadurch besser auf Bodenunebenheiten und Kurven reagieren. Zusätzlich steigert sich mit der Fitness auch das Konzentrationsvermögen“, beschreibt Philipp die Vorteile des Trainings. Auch Schäden auf der knöchernen Ebene sollen so vermieden werden. Einmal wöchentlich trainiert er persönlich mit den Fahrern, dazu kommen noch weitere Workouts, die die Fahrer selbstständig absolvieren. 

Philipp Enzinger ist als Physiotherapeut für die Fitness der Fahrer zuständig
Philipp Enzinger ist als Physiotherapeut für die Fitness der Fahrer zuständig

Zu Beginn hat Philipp mit Maximaltests das aktuelle Leistungsniveau des jeweiligen Fahrers erhoben und damit die Basis für die Trainingspläne festgelegt. „Alle zwei Monate findet eine Wiederholung des Leistungstests statt, damit wir den Fortschritt nachvollziehen und messen können“, so der 21-Jährige Niederösterreicher. Die Zusammenarbeit mit den Fahrern ist dabei ein bedeutender Punkt in Philipps Arbeit: „Eine offene Kommunikation und ein ständiger Austausch sind wichtig. Nur der Fahrer selbst kann Feedback geben und sagen, wo die Kräfte im Auto wirken.“ Bereits in seinem Maturajahr war seine Begeisterung für Formula Student geweckt, nachdem er den Stand vom Racing Team auf der BeST-Messe in Wien gesehen hatte. Als die Weasels letzten Herbst nach einem Physio gesucht haben, musste er nicht lange überlegen. Philipp kann sich gut vorstellen, auch im späteren Berufsleben im Sportbereich tätig zu sein: „Ich war schon immer renninteressiert und mag es, Teil von einem Team zu sein. Dank Joanneum Racing Graz kann ich Studieninhalte praktisch anwenden und die sportlichen Fortschritte miterleben.“